CD Mozart Grandes Oeuvres à 4 mains

Mozart4mains

 

Mozart, Pianoforte, Grandes Oeuvres à 4 mains

Aline Zylberajch, Martin Gester

Des extraits sont disponibles ici

 

 

 

CD Mozart Grandes Oeuvres à 4 mains - Mozart für vier Hände (kulturradio)

Mi 30.04.2014

Mozart für vier Hände

Vier Werke und ein perfektes Zusammenspiel

 Bewertunggroßartig

Die ersten Versuche, zwei Interpreten an einem Tasteninstrument spielen zu lassen, stammen bereits aus dem 17. Jahrhundert, sie treten allerdings recht punktuell auf und vermögen keine eigene Gattung zu entwickeln. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als das Hammerklavier das Cembalo ablöst und innerhalb weniger Jahrzehnte zum Massenphänomen wird, schenkt man dem vierhändigen Spiel wieder mehr Beachtung. Etliche Sonaten und sonstige Klavierstücke zu vier Händen werden etwa von Carl Stamitz oder Johann Christian Bach komponiert, vorrangig geht es dabei um das Zusammenspiel von Lehrer und Schüler, was sich dann auch im unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad der beiden Stimmen widerspiegelt.

Wolfgang Amadeus Mozart darf als derjenige Komponist gelten, der das vierhändige Klavierspiel auf ein neues Niveau hob und damit letztlich auch den Grundstein für die später hochbeliebte Gattung legte. Es sind zwar nur vier Sonaten und ein Variationensatz, die Mozart für diese Besetzung schrieb, gleichwohl setzt er damit Maßstäbe: Der hierarchische Abstufung von »erster« und »zweiter« Stimme fällt weg, dafür schafft Mozart komplexe Strukturen in einem dichten Satz, der eher orchestral als pianistisch wirkt.

Ohne Effekthascherei

Die französischen Hammerklavier-Spezialisten Aline Zylberajch und Martin Gester haben auf ihrer neuesten CD die drei späten, in Wien entstandenen Werke Mozarts für Klavier zu vier Händen eingespielt. Von Beginn an fesselt diese Aufnahme, die auf der Kopie eines Flügels von Anton Walter (Wien) vorgenommen wurde, aufgrund ihrer enormen klanglichen Differenzierung. Die langsame Einleitung zur F-Dur-Sonate (KV 497) etwa erklingt mit Dämpfer geheimnisvoll und zögernd, die Moll-Variation in KV 501 wirkt beklemmend und düster. In den schnellen, unbeschwerten Abschnitten der Sonaten dagegen entlocken die beiden Pianisten ihrem gemeinsamen Instrument sanfte, warme und lebhafte Klänge. Und nicht selten ist auch ein machtvolles Tutti mit donnernden Bässen zu vernehmen, das tatsächlich orchestral wirkt. Das Zusammenspiel und die Abstimmung von Aline Zylberajch und Martin Gester in den komplexen und doch so gut durchhörbaren Mozart-Partituren ist perfekt; auf aufgesetzte Effekthascherei wird verzichtet und damit ein durchgängiges Hörvergnügen erreicht.

Bernhard Schrammek, kulturradio

 

CD Mozart Grandes Oeuvres à 4 mains - Mozart im Zwiegespräch (Christian Busch)

Mozart im Zwiegespräch

Christian Busch

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Das vierhändige Klavierspiel, die vielleicht intimste Form der Kammermusik, gehört zu den technisch heikelsten und interpretatorisch anspruchvollsten Herausforderungen, welche die Musik an die Ausführenden stellt. Zwei vermeintlich gleichberechtigte Partner treten auf engstem Raum – eine vollkommene Synthese suchend – in einen wirklichen Dialog. Ein Terrain für Geschwister, Paare und freundschaftlich verbundene Seelen – weniger für titanische Tastenlöwen mit ausgeprägtem Hang zur Selbstdarstellung.
Schon von seinem geltungssüchtigen Vater Leopold etwas plakativ als «Erfinder der vierhändigen Klaviersonate» präsentiert, zählt Mozart unbestritten zu den Wegbereitern dieser Gattung der hohen Kunst mit überschaubarem Repertoire.
Was für den kleinen Wolferl auf dem Schoße eines Johann Christian Bach beginnt und sich in frühen Kompositionen für das geschwisterliche, durchaus auch publikumswirksame Zusammenspiel fortsetzt, findet in der F-Dur-Sonate KV 497 seine Krönung und Vollendung. Gerne als «Krone der Gattung» (Einstein) und «gewaltige Seelenlandschaft» bezeichnet, steht sie zeitlich und thematisch der «Prager» Symphonie (KV 504), aber auch dem «Don Giovanni» nahe. Als Mozart sie im August 1786 schreibt, verleiht er der subtilen Bespiegelung in Dur und Moll daher auch symphonische Dimensionen.
Die Franziska von Jacquin, Tochter des befreundeten Wiener Botanikprofessors, gewidmete C-Dur-Sonate KV 521 übersendet er Ende Mai 1787 – am Todestag seines Vaters – an Gottfried von Jacquin mit den mahnenden Worten: «Die Sonate haben Sie die Güte ihrer frl: Schwester nebst meiner Empfehlung zu geben; – sie möchte sich aber gleich darüber machen, denn sie seye etwas schwer.» Das virtuose Werk, das den späten Wiener Klavierkonzerten verwandt ist, trumpft gleichfalls mit orchestralem Klang auf, ohne den dank der Solopassagen aller vier Hände – kammermusikalischen Rahmen zu verlassen. Ob er es mit ihr, einer seiner besten Schülerinnen, auf Schloss Waldenburg gespielt hat? Mit Sicherheit.
Das Straßburger Musikerehepaar Aline Zylberajch & Martin Gester (Bild) hat sich nun in ihrer zweiten auf CD veröffentlichen Gemeinschaftsproduktion dieser beiden viel zu selten zu hörenden Sonaten Mozarts angenommen – zusammen mit dem Rondo in a-moll KV 511 (Martin Gester) und dem Andante und Variationen in G-Dur KV 501 (Label K 617).
Ihr Spiel lässt dabei keine Wünsche offen, ist geprägt von präziser Abstimmung, das den weiten Bogen von orchestraler Pracht symphonischen Ausmaßes bis zur privaten Intimität mühelos spannt. Das kraftvoll drängende Allegro, die galant singende Melodie, der leise, klagend-resignative Ton, all das spiegelt sich stimmig im blendend hellen Mozart-Sound. Da mag einer sagen, dies komme ihm bekannt vor, jedoch nicht in der Form des auf Salon-Frivolitäten verzichtenden, vertrauten Zwiegesprächs – im ständig wiederkehrenden Suchen und Finden – zweier ebenbürtiger Partner. Damit bietet die CD mit Werken aus der großen Schaffensperiode (zwischen «Figaro» und «Don Giovanni») einen weiteren Höhepunkt Mozart’schen Schaffens – für so manchen sicher eine Entdeckung. ■

Das Spiel des Pianisten-Ehepaares Aline Zylberajch & Martin Gester lässt bei Mozarts KV 479 & KV 511 keine Wünsche offen, ist geprägt von präziser Abstimmung, das den weiten Bogen von orchestraler Pracht symphonischen Ausmaßes bis zur privaten Intimität mühelos spannt.

Wolfgang Amadeus Mozart: Grandes Oeuvres à quatre mains (KV 497 & KV 501), Martin Gester and Aline Zylberajch, CD-Label K617 (Harmonia Mundi)

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